2023

Ich fange an mit dem Frühjahrs-Baueinsatz, um einen gewissermaßen chronologischen Rückblick zu halten. Den hatten wir ja so gelegt, dass noch vor Saisonbeginn eine Grundordnung im Gelände hergestellt sein sollte. Als ein nachhaltiges Ergebnis dieses Einsatzes sei die Fertigstellung der Synagoge auf dem Scheunenboden genannt. Es fehlt jetzt nur noch eine Beleuchtung, die hat es für den ursprünglichen Zweck dieses Modells nicht gebraucht. Zur Erinnerung: Die Synagoge war 2011 für den DEKT in Dresden gebaut worden für das „biblische Dorf“ - die Kindermeile des Kirchentages. Seitdem stand sie in Einzelteile zerlegt und nahezu vergessen in der Pfarrscheune. Nun wurde sie zu neuem Leben erweckt und es haben im vergangenen Jahr tatsächlich schon viele Gäste – Vorwiegend Kinder- eine Führung genau zu diesem Ausstellungsstück bekommen. Eine umfangreiche Presse-Werbung blieb bisher ohne spürbaren Erfolg. Ich frage mich immer wieder, warum Schulen dieses Angebot nicht viel intensiver nutzen.

Baulich haben wir uns in diesem Jahr erneut mit der abgebaggerten Silo-Mauer an der Scheunen-Südseite befassen müssen. Immerhin ist ein Fenster eingebaut worden, der Weg bis zur ersten Silowand ist gepflastert und nach bester Vorarbeit vom Frühjahrs-Baueinsatz ist kurz vor Jahresende dank Uwe und Maik sogar noch die Stützmauer für diesen ersten Bauabschnitt gebaut worden, (das war dann schon beim bzw. nach dem Herbstputz).
Es gibt jetzt auch eine neue Idee für die Gestaltung dieser Silo-Wände aus der LPG-Vergangenheit: Zunächst soll mit einem Ringanker das Ganze stabilisiert werden, und dann soll in eine der Silowände ein gotischer und in die andere ein romanischer Bogen gebaut werden. So könnte Architektur aus unterschiedlichen Epochen angesprochen und am Beispiel gezeigt werden, man könnte an der Gebäude-Südseite entlang laufen und den Bewuchs vom Gebäude fernhalten. Dazu ist eine Baufirma aus Großnaundorf angefragt, und wir erwarten ein Preisangebot. Und dann sind hoffentlich wirklich mal alle Großbaustellen erledigt!

Es gab in diesem Jahr erneut Fördergelder aus dem Programm „Lieblingsplätze barrierefrei und zwar für Audio-Guides. So haben wir jetzt die Texte von unserem Bibelgarten-Film auf die Audioguides aufgespielt und können Besuchern eine Führung sozusagen „an die Hand geben“. Das ist die Alternative zum Film für Leute, die keine Lust auf Film haben, denen eine ausführliche Führung zu teuer ist und die aber trotzdem Erklärungen zu den aufgebauten Dingen wünschen. Dank sei an der Stelle Martin gesagt, der uns die Texte umgespielt hat.

Im Frühjahr haben wir ein E-Mobil für unseren ehrenamtlichen Mitarbeiter Peter angeschafft. Dankenswerterweise ist dieses gefördert worden aus Mitteln der Ernst-Lindlau-Stiftung. Dieses Mobil ermöglicht dem Peter, im für sein Knochengerüst ansonsten sehr anstrengenden Gelände unterwegs zu sein. Er kann alles, was er an Werkzeugen braucht, in ein Körbchen laden und dieses mit dem Mobil mitnehmen. Das macht ihm nicht nur Spaß, es motiviert ihn auch. Und man ahnt gar nicht, was in so einen Tragekorb alles rein passt – Vom Werkzeug über Grünschnitt bis hin zur Gießkanne (alles natürlich schön nacheinander !) Dank der Solaranlage kann das „Peter-Mobil“, wie wir es nennen, sehr preiswert betankt werden.

„Was lange währt, wird endlich gut“ lautet ein Sprichwort, dessen Wahrhaftigkeit wir aktuell zu erleben scheinen: Seit ungefähr 10 Jahren dümpelt in der Scheune das Modell von Jerusalem rum und wartet darauf, durch ein Tempelmodell vervollkommnet zu werden. Jetzt ist Licht am Ende des Tunnels! Christian Schirrmeister hat im vergangenen Jahr als 10.-Klässler eine „komplexe Lernleistung“ erstellen müssen im Fach Geschichte. Auf „Empfehlung“ seines Vaters hat er sich des sehr anspruchsvollen Themas „Konflikt der Religionen auf dem Tempelberg in Jerusalem“ angenommen. Und um das Ganze anschaulich zu gestalten, hat er ein Modell des Jüdischen Tempels gebaut, welches die Schule gleich zu Anschauungszwecken für nachfolgende Schüler-Generationen einbehalten hat. Aber weil nun der große Aufwand einmal gemacht war, hat Christian gleich noch eins drauf gesetzt und ein weiteres Modell gebaut für die Bibelland-Scheune. Mit viel Presserummel und einem mehr als 60-köpfigen Schüler-Publikum aus dem evangelischen Gymnasium Johanneum Hoyerswerda ist das hier eingeweiht worden. Allerdings stimmt der Maßstab des gestalteten Modells nicht überein mit dem Maßstab unseres Modells in der Scheune – es ist noch zu klein, das haben wir gewusst. Aber Christian arbeitet nun an einem dritten Modell, und das wird in dem Maßstab gebaut, wie wir es brauchen. Es ist also ein Ende in Sicht für die Odyssee „Tempelmodell“

Die Besucherzahlen im Bibelland sind im letzten Jahr weiter leicht angestiegen, haben aber noch immer nicht das Vor-Corona-Niveau erreicht. Es fehlen unverändert die großen Reisegruppen.
Allerdings: mindestens zwei Gruppen gab es in diesem Jahr, die waren sozusagen überdimensioniert, übrigens beides Kindergruppen im Rahmen der Religiösen Kinderwoche, einem Ferienprogramm der Katholischen Kirchgemeinden. Die größte Gruppe mit immerhin 110 Kindern kam aus Radibor. Nur dank der Hilfe von mehreren ehrenamtlichen Helfern war es überhaupt möglich, diese große Gruppe nicht nur zu empfangen, sondern auch mit einem Programm zu bedienen, was wie „am Schnürchen“ lief und dabei auch noch Spaß gemacht hat. Und da war alles dabei – bis  hin zum Pizza backen. Auch dafür Danke an alle, die hier mitgewirkt haben!  

Wir sind insgesamt ganz zufrieden und schauen auf viele nette Begegnungen mit sehr dankbarem Publikum zurück. Eine interessante Begegnung war z.B. die mit Frau Anna Ern. Die gebürtige Polin lebt seit vielen Jahren in Großharthau  und hat irgendwann im Sommer unser Bibelland besucht. Nachdem sie sich umgeschaut hatte, kam sie ins Büro und hat uns angeboten, unseren Bibelland-Flyer ins Polnische zu übersetzen. Das ist aktuell noch in Arbeit. Ihre Übersetzung ist zwar schon Tage nach dem Besuch hier fertig gewesen, sie wollte aber gerne, dass ein weiterer polnisch sprechender Mensch diese überprüft. Wir hatten unseren Reiseleiterkollegen Jacek aus Polen dafür angefragt, aber der kommt irgendwie nicht „zu Potte“. Nun liest Frau Ern mit großem zeitlichen Abstand ihre eigene Übersetzung selber Korrektur und das ist dann,als ob sie eine fremde Übersetzung lesen würde. Da sie Jahrelang als Übersetzerin gearbeitet hat, sollte das funktionieren. Das sind so die schönen Geschichten des Alltages hier vor Ort.

Es gibt natürlich auch immer wieder unschöne. Dazu gehört der nach wie vor ungeklärte Vorgang um die Anerkennung als Museum. Wir streben diese an, um langfristig Umsatzsteuer-befreit arbeiten zu können. Allerdings hat die Landesstelle für Museumswesen als einzige entscheidende Instanz dafür ganz andere Vorstellungen. So ist dieser Vorgang seit Jahren in der Schwebe, es geht nicht vorwärts und nicht zurück....

Mindestens ebenso unschön ist die Tatsache, dass uns der Stadtrat mit Beschluss vom 14.11.23 die Straße „Am Dorfteich“ entwidmen will. Das bedeutet formal, dass uns das öffentliche Interesse an der Zuwegung zu Bibelland und Schlosspark aberkannt wird und damit Straßenerhaltungs- und Sicherungsarbeiten sowie Haftungsfragen an die Anlieger abgedrückt werden. Im ungünstigen Falle kommen da enorme Kosten auf uns zu, falls es uns nicht gelingen sollte, im ganz regulären Einspruchszeitraum das Ganzer wirkungsvoll zu kippen. Das bleibt noch spannend. Nach Auskunft der Stadtverwaltung muss die Entwidmung öffentlich bekannt gegeben werden und der Öffentlichkeit die Gelegenheit zum Widerspruch gegeben werden, darauf warten wir jetzt aktuell. Aber nachdem wir hier in Jahrzehntelanger ehrenamtlicher Arbeit alles in Ordnung gebracht und historische Bausubstanz gerettet und erhalten haben, schmerzt uns die Botschaft sehr, dass an dem eingespielten Zugang zum Bibelland, welcher noch dazu der einzige behindertengerechte Zugang ist, kein öffentliches Interesse besteht. Da gibt es in anderen Kommunen andere Formen der Ehrenamts-Würdigung!!!

Unter die Rubrik „unschön“ fallen zweifellos auch die allgemeinen Kostensteigerungen für alles, was Energie und Versicherungen betrifft. Um etwa 30% haben sich diese nach oben verschoben. Dafür müssen wir erst neu ein Gefühl entwickeln – auch dafür, wie weit Gäste breit sein werden, diese mit zu tragen und unsere Dienstleistungen wie Führung oder biblisches Mahl weiterhin zu nutzen.

Was gab es sonst so? Es gab wie jedes Jahr den Tag der Parks und Gärten und den Tag des offenen Denkmals – beides sind ja eingespielte Termine und beide waren wieder gut besucht. Es war an beiden Tagen ein lockeres Kommen und Gehen. Das ist immer schön, wenn man einfach Zeit hat für die Besucher, da entspinnt sich manches angeregte Gespräch  und mitunter folgen aus solchen Begegnungen ganze Gruppenbesuche.
Immer wieder genossen uns gelobt wird das Ambiente Bibelgarten. Wenn es blüht und duftet und sich  Schmetterlinge, Bienen und Hummeln tummeln, bleiben die Leute stehen und genießen. Es wird von vielen Gästen gewürdigt, dass da ganz viel Arbeit drin steckt. Leider gibt es aber auch immer wieder Leute, die meinen, sie müssten ganz selbstverständlich alles zum Nulltarif nutzen und die dann anfangen zu diskutieren, wenn man sie anspricht und um die € 3,00 Eintrittsgeld bittet. Der gefühlt deutlich größere Anteil der Besucher gehört aber durchaus zu den zahlungswilligen Gästen! An dieser Stelle wieder das herzliche Dankeschön an Elfi, die zweifellos die Hauptlast trägt bei der Pflege der Beete, aber auch an alle, die sie dabei in unterschiedlicher Form und Intensität unterstützen! Im Zuge immer weiter steigender Mindestlöhne werden wir immer mehr darauf angewiesen sein, dass wir ehrenamtliche Helfer haben, denn Personalkosten sind mit der Einrichtung Bibelland schlicht nicht erschwinglich!

Unser Vereinsmitglied Maik schreibt ja gerne mal Anträge und/oder beteiligt sich an Wettbewerben. Zwei solcher Wettbewerbe haben ihm – und damit uns als Verein- Preisgelder eingebracht:
Da gab es zum Einen den  simul+ Mitmachfond. Daran hat er sich mit der Idee Vogelhaus-Dachziegel beteiligt und ein Preisgeld in Höhe von € 5000,00 für die Umsetzung des Projektes zugunsten des Vereins erhalten. Was wir aus der ursprünglich trinational gedachten Idee tatsächlich umsetzen konnten, war die Herstellung eines Muster-Vogelhauses aus Keramik, welches auf einen gängigen Dachziegel geklebt und auf  der Nordseite eines Hauses als Dachziegel eingebaut werden kann. Es ist so konzipiert, dass die Vogelart Meise darin nisten könnte. Eine Ziegelei bei Nossen hat ein Modell dafür angefertigt und einen ersten Abguss desselben geliefert. Dann war das Geld aufgebraucht. Nun wäre es an uns, dieses erste Vogelhaus aufzukleben und in ein Dach einzufügen und dann zu beobachten, ob tatsächlich Vögel darin einziehen.
Der zweite Wettbewerb, an welchem Maik im Namen des cv-aktiv reiseDiesnt e.V,. mitgewirkt hat, war der Wettbewerb „Machen“ 2023 der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt . Die Idee, in Auschwitz zwischen dem ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz 1 und dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau einen Hoffnung machenden Bibelgarten anzulegen, wurde mit € 5000,00 gewürdigt. Freunde und Partner in Polen sollen diese Idee umsetzen und dafür natürlich das Geld zur Verfügung gestellt bekommen.

Zum Ende des Jahres haben wir ganz kurzentschlossen angefangen, unser Vereinshaus zu sanieren, ganz konkret: die Fußböden. Ausschlaggebend war die Tatsache, dass Kriegs-bedingt alle Israel-Reisen bei Evangtours abgesagt werden mussten, so dass Försers nicht wie eigentlich geplant, den halben Winter unterwegs waren. Aus der Not eine Tugend machend haben wir gesagt: „Jetzt packen wir etwas an, was wir schon jahrelang anpacken wollen, wofür aber immer keine Zeit war“. Und deshalb sind sowohl im Vereinsbüro als auch in der Küche noch im alten Jahr die Fußböden durch einen Aufbau aus OSB-Platten erneuert worden. Unser ehrenamtlich arbeitender Peter hat sein ganzes Können aus seiner früheren aktiven Berufstätigkeit hierfür aktiviert und es ist richtig schön geworden. Dass bei der Gelegenheit alle Schränke ausgeräumt werden mussten, war Fluch und Segen zugleich. Aktuell wird noch der dritte Raum gebaut und erst dann alles wieder eingeräumt. Bei der Gelegenheit muss ganz vieles ausgerümpelt und entsorgt und gesichtet werden, das wird uns noch lange in Atem halten. Aber bis die Besuchersaison wieder losgeht, sollen zumindest die Räume alle baulich fertig sein und die als Abstellraum genutzte Scheune wieder voll begehbar sein. Das ist ein anspruchsvolles Ziel!